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Active Sourcing für Azubis: Jugendliche direkt ansprechen

Wie Betriebe junge Menschen aktiv ansprechen, ohne aufdringlich zu wirken, und wo das sinnvoll ist.

Redaktion GameRecruit · Stand: Oktober 2026

Beim Active Sourcing warten Betriebe nicht auf Bewerbungen, sondern sprechen Interessierte direkt an. Bei Fachkräften ist das verbreitet. Bei Jugendlichen braucht es mehr Fingerspitzengefühl, denn sie sind minderjährig oder gerade volljährig und sollen sich nicht bedrängt fühlen.

Wo Sie Jugendliche erreichen

  • In der Schule: Berufsorientierungstage, Projektwochen, Elternabende
  • Bei Veranstaltungen: Ausbildungsmessen, Turniere, Stadtfeste
  • In Vereinen: Sport, Musik, E-Sport (E-Sport-Verein)
  • Online: Soziale Medien, in denen die Zielgruppe ohnehin unterwegs ist
  • Über Praktika: Wer schon im Betrieb war, kennt ihn bereits

So sprechen Sie an

  1. Anlass nennen: Warum melden Sie sich gerade jetzt?
  2. Kurz bleiben: Zwei oder drei Sätze, eine Frage, ein nächster Schritt.
  3. Einfach antworten lassen: Ein Kanal, den Jugendliche nutzen, ohne Formular.
  4. Eltern mitdenken: Bei Minderjährigen die Erziehungsberechtigten einbeziehen.
  5. Nein akzeptieren: Wer nicht antwortet, wird nicht bedrängt.

Was gut funktioniert

  • Persönliche Einladung zu einem Schnuppertag statt allgemeiner Werbung
  • Ansprache durch Auszubildende, die auf Augenhöhe schreiben
  • Ein Talent Pool mit Personen, die ausdrücklich zugestimmt haben

Ein Beispiel aus der Praxis

Ein Elektrobetrieb mit zehn Beschäftigten sucht zwei Auszubildende. Der Inhaber besucht zwei Wochen vor dem Berufsinformationstag die Fachlehrkraft der nahen Gemeinschaftsschule und fragt, welche Klassen teilnehmen. Am Stand liegt eine Karte mit einem QR-Code: „Schnuppertag zum Selbstbuchen, keine Bewerbung nötig.“ Wer sich einträgt, bekommt am selben Tag eine freundliche Nachricht mit Treffpunkt, Kleidungshinweis und dem Namen der Auszubildenden, die ihn empfängt. Das ist Active Sourcing in der Ausbildung: aktiv, aber ohne Druck, und mit einem kleinen nächsten Schritt statt einer großen Bewerbung.

Beispieltexte für die erste Nachricht

  • Nach einer Veranstaltung: „Hallo Jana, schön, dass du bei unserem Turnier dabei warst. Wenn du Lust hast, zeigen wir dir gern einen Tag lang, wie Ausbildung bei uns aussieht. Hier kannst du dir einen Termin aussuchen.“
  • Nach einem Praktikum: „Hallo Ben, danke für deine Woche bei uns. Wir würden uns freuen, wenn du dir eine Ausbildung bei uns vorstellen könntest. Magst du in zwei Wochen zu einem Gespräch kommen? Deine Eltern sind herzlich willkommen.“
  • Über den Verein: „Hallo, wir sind ein Ausbildungsbetrieb in der Region und möchten bei eurem Training einmal vorbeischauen, um Berufe vorzustellen. Wäre das für euch in Ordnung?“

Häufige Fehler

  • Massennachrichten: Gleichlautende Texte an viele Personen wirken beliebig und werden schnell ignoriert.
  • Zu viel Druck: Fristen und Formulierungen wie „letzte Chance“ schrecken Jugendliche und Eltern ab.
  • Falscher Kanal: Manche Jugendliche nutzen Mail kaum. Fragen Sie in Ihrer eigenen Ausbildung nach den bevorzugten Wegen.
  • Kontaktdaten ohne Grundlage: Wer Daten sammelt, braucht eine Rechtsgrundlage und muss informieren.
  • Keine Antwort auf Antworten: Wer sich meldet, erwartet eine zügige Rückmeldung (Ghosting gibt es auch von Betrieben).

Ihr Fahrplan für die nächsten 30 Tage

  1. Woche 1: Zielgruppe und Kanäle festlegen, Ansprechperson benennen.
  2. Woche 2: Zwei bis drei Textbausteine schreiben und von Auszubildenden gegenlesen lassen.
  3. Woche 3: Datenschutz klären: Einwilligungstext, Speicherdauer, Löschregel (Löschkonzept).
  4. Woche 4: Erste Veranstaltung nutzen, Kontakte persönlich ansprechen, Rückmeldungen sammeln und auswerten.

Fazit

Aktive Ansprache wirkt, wenn sie respektvoll, kurz und freiwillig bleibt. Sie ergänzt gute Stellenanzeigen und Kontakte in der Region, sie ersetzt sie nicht.