Wer Menschen beobachtet oder testet, will verlässliche Aussagen. Ob ein Verfahren das leistet, zeigen die Gütekriterien. Die drei wichtigsten heißen Objektivität, Reliabilität und Validität.
Die drei Kriterien
- Objektivität: Das Ergebnis hängt nicht davon ab, wer das Verfahren durchführt oder auswertet.
- Reliabilität: Das Verfahren liefert bei wiederholter Anwendung vergleichbare Ergebnisse.
- Validität: Das Verfahren misst wirklich, was es messen soll, und sagt etwas über den späteren Erfolg aus.
Ein Vergleich
Stellen Sie sich eine Waage vor. Objektiv ist sie, wenn jede Person dasselbe abliest. Reliabel ist sie, wenn sie bei gleichem Gewicht dasselbe anzeigt. Valide ist sie, wenn sie Gewicht misst und nicht etwa Körpergröße.
Was Sie tun können
- Feste Abläufe: Alle erhalten dieselben Aufgaben und Hinweise.
- Klare Kriterien: Bewertungsstufen mit Beispielen (Verhaltensanker).
- Mehrere Beobachtende: Eindrücke vergleichen und diskutieren.
- Schulung: Typische Fehler kennen (Beobachtungsfehler).
- Anforderungsprofil: Nur beobachten, was für den Beruf wichtig ist.
Ein Beispiel aus dem Alltag
Eine Küchenwaage zeigt jedes Mal ein anderes Gewicht an: Sie ist nicht zuverlässig. Eine Waage zeigt immer 500 Gramm an, auch wenn man Mehl darauflegt: zuverlässig, aber nicht gültig. Erst wenn sie jedes Mal das richtige Gewicht anzeigt, ist sie beides. Ähnlich ist es bei Verfahren der Personalauswahl: Sie sollen unabhängig von der beobachtenden Person, wiederholbar und aussagekräftig für den Beruf sein.
Fragen, die Sie sich stellen können
- Objektivität: Kommen zwei Beobachtende zum selben Ergebnis?
- Reliabilität: Würde dieselbe Person bei einem zweiten Termin ähnlich abschneiden?
- Validität: Sagt das Ergebnis etwas über den späteren Erfolg in der Ausbildung?
- Fairness: Sind alle gleich behandelt worden und hatten gleiche Chancen?
- Akzeptanz: Erleben die Teilnehmenden das Verfahren als sinnvoll?
Was kleine Betriebe praktisch tun können
- Vorab festlegen, was gemessen wird und warum
- Immer dieselben Fragen und Aufgaben nutzen (Strukturiertes Interview)
- Mehrere Personen beobachten lassen
- Entscheidungen begründen und dokumentieren
- Nach einem Jahr prüfen, ob die Auswahl zu den Ausbildungsverläufen passt
Perfektion ist nicht nötig. Entscheidend ist, dass Sie nachvollziehbar vorgehen und aus Erfahrungen lernen (Eignungsdiagnostik).
Fazit
Gütekriterien sind kein Fachchinesisch, sondern Prüffragen: Ist es fair, verlässlich und aussagekräftig? Wer sie stellt, vermeidet viele Fehlentscheidungen.
Dazu im Video
▶ 0:37Gütekriterien kurz erklärt
Objektivität, Reliabilität und Validität: Woran man gute Verfahren erkennt.
Weiterlesen
Was ist Gamification im Recruiting, und was nicht?
Punkte und Abzeichen machen noch kein gutes Verfahren. Eine nüchterne Einordnung mit Beispielen, Chancen und typischen Fehlern.
Lesen →Gaming-Assessment: So funktioniert spielbasierte Beobachtung
Von der Aufgabe bis zur Rückmeldung: Wie ein Assessment Center mit Spielen aufgebaut ist und worauf es ankommt.
Lesen →Beobachtungsfehler vermeiden: So beobachten Sie fair
Halo-Effekt, Ähnlichkeitsfehler und Co.: Welche Verzerrungen es gibt und wie Schulung und klare Kriterien helfen.
Lesen →